Mobile Beratung – Ein Pilotprojekt des Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverbands
Seit August 2024 nutzt der Schweizerische Blinden- und Sehbehindertenverband SBV im Pilotprojekt «Mobile Beratung» einen Kleinbus für mobile Erstberatungen und Informationsvermittlung im Kanton Bern.

Das Angebot ist kostenlos und richtet sich an sehbeeinträchtigte Personen und auch an Angehörige. Eine erste Bilanz konnte bereits gezogen werden.
Bisher haben 30 Ratsuchende Informationen und Erstberatungen über eine Sehbeeinträchtigung erhalten. In den Gesprächen zeigten die Fachpersonen die Möglichkeiten zur Verbesserung ihrer Seh- und Lesefähigkeit auf oder erteilten Auskunft zu Leistungen der Sozialversicherungen. Man konnte feststellen, dass ein grosser Bedarf an Informationen im Umgang und Handhabung von Hilfsmitteln sowie Unterstützungsmöglichkeiten besteht. Einige Personen wollten auch nur ein Ersatzteil für ihren Stock oder ein neues Lesegerät beziehen. Die Mehrheit der Ratsuchenden war weiblich und über 70 Jahre alt. Sie wurden von Augenärztinnen und Augenärzten, Altersheimen, Optikergeschäften, print- und sozialen Medien auf das Angebot der mobilen Beratung aufmerksam bzw. vermittelt. Für vertiefte und weitere individuelle Abklärungen und Sozialberatungen leiteten die Mitarbeitenden der mobilen Beratung die Personen an spezialisierte Fachpersonen von Beratungsstellen weiter.
Die Fachpersonen der mobilen Beratung verschafften den Ratsuchenden einen ersten Überblick zu folgenden Themen:
- Low Vision (Abklärung des Sehpotentials, Beratung und Training im Umgang mit optischen und elektronischen Hilfsmitteln)
- Orientierung & Mobilität (Vermittlung von Techniken zur sicheren Fortbewegung, wie den Einsatz des Langstocks oder die Nutzung von Orientierungshilfen)
- Lebenspraktische Fähigkeiten (Assessments, Beratungen und Unterstützung bei der Vermittlung von Techniken zur Bewältigung alltäglicher Aufgaben, wie Kochen, Körperpflege, Haushaltsführung und Kommunikation)
- Hilfsmittel zur Verbesserung der Lese- und Sehfähigkeit
- Angebote und Dienstleistungen des SBV (Kursangebote)
- Sozialberatungen (Beratungen bei Sozialversicherungsfragen, Auskünfte zu Begleitpersonen und Spitex-Diensten, Informationen zu Hilfsmitteln, Unterstützung bei administrativen Fragen).
Mobiles Anlauf- und Beratungsangebot
Im Gespräch mit Urs von Gunten, dem Projektleiter dieses Pilotprojekts, haben wir erfahren, welche Idee hinter diesem Projekt steckt, wie alles gestartet ist und ob man bald auch in anderen Kantonen der Schweiz eine derartige Beratung erhalten kann.
Herr von Gunten, wie sind Sie mit dem Angebot «Mobile Beratung» gestartet?
Gut, ich bin zufrieden. Bisher haben wir pro Woche zwei bis drei Anfragen erhalten. Das ist ein guter Start, zumal wir das Angebot bis jetzt nicht stark beworben haben. Die Nachfrage wird sicherlich noch steigen, da uns Augenärzte und Altersheime Klientinnen und Klienten vermitteln werden.
Mit welchen Anliegen kann man sich an die mobile Beratung wenden?
Grundsätzlich mit allen Themen, die das Leben mit Sehbehinderung betreffen. Viele wenden sich mit Fragen zu Leistungen der Sozialversicherungen an uns, etwa zu Ergänzungsleistungen, Hilflosenentschädigung und dem Assistenzbeitrag. Es ist wichtig, dass Menschen mit Sehbehinderung wissen, was ihnen zusteht. Sie leben oft mit einer bescheidenen Rente von 2000 bis 2400 Franken pro Monat. Wir können einen ersten Überblick verschaffen. Für vertiefte, individuelle Sozialberatung vermitteln wir an eine entsprechende Beratungsstelle.
Was sind weitere Anliegen?
Hilfsmittel kennenlernen und ausprobieren. Wir haben stets eine Auswahl dabei, damit ein Gefühl dafür entwickelt werden kann. Einige möchten auch nur ein Ersatzteil für ihren Stock oder Informationen über die Dienstleistungen des SBV. Die Anliegen sind vielfältig.
Was kann die mobile Beratung abdecken?
Wir führen ausführliche Beratungen durch und vermitteln die Klienten anschliessend für eine spezifische Abklärung/Training an Fachspezialisten weiter. Aufgrund der Nachfragen klären wir derzeit ab, im Bereich von Low Vision eine erweiterte Beratung anzubieten.
An wen richtet sich die mobile Beratung?
An alle Menschen mit einer Sehbehinderung im Kanton Bern. Bisher waren es mehrheitlich Frauen ab 70 Jahren. Diese haben sich entweder direkt selbst gemeldet, wurden von Angehörigen oder von den Optikergeschäften vermittelt. Das Angebot ist kostenlos und richtet sich auch an Angehörige. Alle Ratsuchenden sind in unserem Beratungsbus willkommen.
Ist ein Ausbau des Angebots in anderen Kantonen ebenfalls geplant?
Die Mobile Beratung ist ein Pilotprojekt. Wir lassen unsere Erkenntnisse und Rückmeldungen laufend in die Gestaltung des Angebots einfliessen und passen das Angebot soweit möglich den Bedürfnissen der Klientinnen und Klienten an. Die Testphase dauert von August 2024 bis August 2026. Anschliessend wird das Projekt evaluiert und über einen Ausbau entschieden.
Wird der Beratungsbus noch für andere Zwecke genutzt?
Wir nutzen den Bus auch für Sensibilisierungsanlässe für Fachpersonen und Firmen. Er eignet sich auch bestens für Messe-Auftritte, wie zuletzt an der Messe Neuland in Thun, an welche wir gemeinsam mit der Sektion Berner Oberland präsent waren.
Für weitere Informationen und Beratungen kontaktieren Sie die «Mobile Beratung» unter 031 390 88 90 oder mobile-beratung@sbv-fsa.ch.